🗓️ 19.04.26

Treppchentripple beim Winterwaldlauf

Wir schreiben das Jahr 50 n. Chr.. Ganz Gallien ist von den Römern besetzt. Das würde ich sagen, wenn wir das Jahr 50 n. Chr. schreiben würden und ganz Gallien von den Römern besetzt wäre. Tatsächlich schreiben wir das Jahr 2026 n. Chr. und der Biermeilenverein hat gerade den zweiten Platz in der Teamwertung des Winterwaldlaufs errungen (und nicht ganz Gallien war von den Römern besetzt, aber dazu mehr in einem anderen Artikel). Das bedeutet auch das dritte Mal nacheinander auf dem Podium (im Fachjargon "Treppchentripple" genannt)!

Um zu erklären, wie es zu diesem großartigen Erfolg gekommen ist, muss ich etwas weiter ausholen. Wir schreiben das Jahr 50 n. Chr.. Ok, vielleicht nicht so weit. Wir schreiben das Jahr 2022 n.Chr.. Die erste Biermeile auf dem Grünstreifen hat gerade stattgefunden. Allen, die bei der Urmeile dabei waren, machte dieses neue Sportformat so viel Spaß, dass sie sich in immer kleineren Abständen mit immer mehr Leuten für neue Biermeilen trafen.

Weil uns vom ständigen Biermeile-Laufen aber irgendwann langweilig wurde, kamen wir dazu das Laufen auch mal ohne Bier auszuprobieren. Der Winterwaldlauf bot sich uns als super Gelegenheit an, um diesen waghalsigen Plan in die Tat umzusetzen: Ganz in der Nähe unserer Biermeilenarena, billig und in der Natur. 2023 konnte das Biermeilenteam bei der ersten Teilnahme schon einen guten sechsten Platz erreichen. 2024 klappte der Sprung aufs Podium (mehr dazu in Artikel Winterwaldlauf). 2025 konnten wir das Ergebnis wiederholen. Dieses Jahr war die Spannung im Vorfeld kaum zu überbieten. Würde es das Biermeilenteam schaffen ihr großartiges Ergebnis der beiden Vorjahre zu wiederholen und damit das Treppchentripple zu vervollständigen? Die Fallhöhe hätte größer kaum sein können. Die Transferperiode, die mit Beginn der Anmeldung startete, bot eine unvergleichliche Dramatik. Welche Athletinnen und Athleten würde das Biermeilenteam akquirieren können? Welche bekannten Namen würden in der Startliste unter "Biermeilenverein Erlangen" stehen? Welche frischen Talente können angeworben, wer kann von anderen Teams abgeworben werden? Bis zum Anmeldeschluss heuerten 20(!) Läuferinnen und Läufer für die Biermeilencrew an.

Der Lauf

Am 21.03.2026 kam es endlich zum Showdown in der Brucker Lache. Überpünktlich und hochkonzentriert trafen alle Teilnehmer am Start ein. Zwischen unseren vorher identifizierten Hauptkonkurrenten TV 1848 Erlangen und Siemens DI CS Global Expert Center und uns knisterte die Luft. Vielleicht führte diese Spannung zu einem Umschwung der Wetterlage, denn pünktlich um 14:30 Uhr schoss der Startschuss ein Loch in die Wolkendecke und es fing heftig zu regnen und zu stürmen an.

Den heftigen Sturmböen und Regenschwällen fügte ich Gewitterblitze, die meine Nervenbahnen von meinen Gehirn hin zu meinen Beinmuskeln durchzuckten, hinzu. Mein Körper setzte sich in Bewegung. Die Präsenz meiner 19 Mitstreiter führte zu einem kollektiven Bewusstsein. Und dieses Hivemind kannte nur ein Ziel: Laufen.

Nachdem dieser bewusstseinserweiternde Geisteszustand abgeklungen war, schaffte ich es wieder auf meine Uhr zu schauen: Fuck, erst 0,5km geschafft. "Warum habe ich mich nochmal angemeldet?" Diese Frage stellte ich mir gegen Anfang eines langen 10km-Rennens in einem Wald in der Nähe von der Erlangen. Ich hatte es mir gerade im Windschatten eines anderen Läufers gemütlich gemacht, weil ich wusste, dass dieser meine Ziel-Pace läuft.

Ich habe für diese Pace trainiert. Alle meine Entscheidungen, alle Ereignisse im Universum haben mich zu diesem Punkt geführt. Ich wurde dafür geboren. Das Leben hat sich vom Einzeller im Urozean (3500000000 v.Chr.) zum Menschen entwickelt, damit ich diesen Fuß vor meinen anderen Fuß setzen kann. Jeder Schritt, den ich mache, jede Muskelfaser, die sich kontrahiert, ist vom Universum determiniert. Die Kilometer flogen nur so dahin.

Dort! Die Ziellinie! Ich kann sie am Horizont erkennen! Ich sammelte meine letzten Kraftreserven zusammen und sprintete los. Mist! Man muss ja zwei Runden laufen. Egal. Nur noch eine Runde. Die schaffe ich auch noch.

Für meine Mama, die mir auf Garmin Connect folgt! Für Duolingo! I am speed! Ka-chow!

Als ich in Gedanken schon bei dem geistreichen Stravapost war, den ich verfassen würde, hörte ich wie sich von hinter mir rasselnder Atem näherte. Meine Nackenhaare sträubten sich. Ich muss noch einen Gang höher schalten. Langsam aber sicher klang der Atem meines Verfolgers wieder ab. Und dann kam zum Glück das Ziel. Diesmal darf ich danach stehenbleiben. Ich lief lockeren Schrittes unter dem tosenden Applaus der Menge über die Ziellinie.

Der Biermeilenverein hatte es geschafft! Wir haben den zweiten Platz erreicht. Bei der Siegerehrung wurde dem Veranstalter noch erklärt, was eine Biermeile ist. Abends sind wir dann eine gelaufen.

Bis zum nächsten WWL!


Gustav 🖊️



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